Psychotherapieverfahren

Psychotherapieverfahren


Kognitive Verhaltenstherapie (kVT): Dies ist eine der modernsten und am häufigsten angewandten Psychotherapieformen. Kognitionen sind Einstellungen, Gedanken, Bewertungen und Überzeugungen. Man geht hierbei davon aus, dass unser Denken, also unsere Bewertung einer Situation, direkten Einfluss auf unsere Gefühle, unser Verhalten und auch unsere körperlichen Reaktionen nehmen. Umgekehrt können jedoch auch Veränderungen im Verhalten unser Denken und Fühlen verändern. Diese Therapieform vermittelt, dass wir einer Situation nicht hilflos ausgeliefert sind, sondern selbst Einfluss auf unser Befinden nehmen können. Die kVT setzt im „Hier und Jetzt“ an, auch wenn die Ursachen für unsere Einstellungen und Überzeugungssysteme in der Vergangenheit liegen und auch thematisiert und transformiert werden.

Akzeptanz- und Commitmenttherapie (ACT): Dies ist eine neuere Form der Psychotherapie, bei der klassische verhaltenstherapeutische Techniken mit achtsamkeits- und akzeptanzbasierten Strategien und mit Interventionen zur Werteklärung kombiniert werden. Hier wird der Erlebnisvermeidung entgegengewirkt und der Patient lernt, den eigenen Gefühlen und Gedanken achtsam zu begegnen und somit sein möglicherweise bis dahin unreflektiertes, dysfunktionales oder impulsives Verhalten nicht mehr zwangsläufig an ihnen auszurichten, sondern tauglichere Strategien zu entwickeln.


„Die Seele hat die Farbe deiner Gedanken“ - Marc Aurel

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR): Dies bedeutet auf Deutsch: Desensibilisierung und Verarbeitung durch Augenbewegung. Die Methode wird zur Behandlung von Traumafolgestörungen angewendet und wurde 2006 als wissenschaftlich begründete Psychotherapiemethode anerkannt. Ähnlich wie in den REM-Phasen während des Schlafes, in denen starke Augenbewegungen stattfinden, wird auch bei EMDR dieser erhöhte Verarbeitungsmodus für das im Alltag Erlebte genutzt.

Hierbei wird der Patient nach behutsamer und sorgfältiger Stabilisierung angeleitet, sich bewusst an die auslösende belastende oder traumatische Situation zu erinnern. Man macht sich dabei zunutze, dass durch die bilaterale Stimulation (Wechsel zwischen rechts und links) mittels bestimmter Augenbewegungen, Tönen oder kurzen Berührungen eine Synchronisation unter den Gehirnhälften ermöglicht wird. Dabei bleibt der Therapeut mit dem Patienten in Kontakt und die Aufmerksamkeit des Patienten bleibt sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart. So kommt es zur besseren Integration der früheren Erlebnisse im Hier und Jetzt. Wenn die sich aufdrängenden inneren Bilder dann verblassen, kommt es zu einer Minderung der emotionalen Belastung. Man kann diese Methode aber auch nutzen, um Ressourcen zu verankern.

„Wenn Du es Dir vorstellen kannst, kannst Du es auch machen“ - Walt Disney

Ego-State-Therapie: Wir alle tragen unterschiedliche Anteile in uns, die uns durchs Leben navigieren und unsere Interessen und Bedürfnisse vertreten. Da gibt es kindliche und erwachsene Anteile, Beschützer, Richter und viele mehr. Meist sind wir uns dieser Anteile kaum bewusst. Diese zu erkennen und miteinander in Kontakt zu bringen, ermöglicht nicht nur ein besseres Verständnis der eigenen Person, sondern auch Veränderungen und Regulationen der Emotionen und im Verhalten.

„Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust“ - J. W. von Goethe

Somatische Psychotherapie: Wir sind es gewohnt in erster Linie unseren Verstand heranzuziehen, wenn wir etwas verstehen und verändern wollen, was auch in vielen Situationen gut funktioniert. Da unsere Psyche aber stark mit unseren Körperreaktionen in Verbindung steht, lohnt es sich sehr, den Blick auch dahin zu wenden und über diesen Zugang regulierend auf unsere Gefühle und Gedanken einzuwirken.

„Wenn der Körper zwickt, hat die Seele schon zweimal geklingelt“ - Bruno Erni

Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy (IRRT): Als imaginatives Verfahren kann IRRT sehr effektiv für die Arbeit mit dem Inneren Kind genutzt werden. Hierbei werden ausgewählte Erinnerungen in der Vorstellung (imaginativ) verändert und somit einem Heilungsprozess zugeführt.

Hypnose: Hypnose ist letztlich lediglich eine Möglichkeit, uns in einen tief entspannten und zugleich aufnahmefähigen Zustand zu versetzen. In diesem Zustand wird die Grenze zwischen Bewusstem und Unbewusstem dünn und wir können Einfluss auf unsere innere Ausrichtung nehmen. Dies kann von außen oder im besten Fall auch ganz eigenverantwortlich selbst erfolgen. Diese innere Umstrukturierung kann uns auf dem Weg zu einem zufriedeneren Umgang mit den Herausforderungen des Lebens sehr helfen.

„Die Wirklichkeit wird nicht von uns entdeckt - sie wird von uns erschaffen.“ - Antoine de Saint-Exupéry

Systemische Beratung: Jeder ist Teil diverser Systeme (Arbeitsplatz, Familie, etc.). Diese Systeme beeinflussen uns und sich gegenseitig, sodass sie im Kontext einer Psychotherapie immer mitbetrachtet werden sollten. Auch das System innerer Anteile (z.B. das innere Kind oder der innere Antreiber) nimmt entscheidenden Einfluss auf uns.
Im Fokus stehen hier nicht nur die Probleme, sondern vor allem auch die Ressourcen eines Menschen und der Gedanke, dass hinter Symptomen und Problemen immer auch eine Sinnhaftigkeit liegt.

„Probleme kann man niemals durch die selbe Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind“ - Albert Einstein